Nationalparkfreunde Stalker?

In einem Leserbrief in der NW v. 26.1.13 bezeichnet Friedhelm Koch, Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung und Stv. Kreisvorsitzender der CDU die Freunde eines zukünftigen Nationalparks in der Senne als 'Stalker', weil sie in einer sehr einseitigen Zuneigung ihre Pläne weiter verfolgten. Siet hätten sich in die Pläne eines Nationalparks in OWL verliebt und verfolgten sie weiter, obwohl dieses Konzept von Bürgern, Landwirten, Waldbesitzern und Unternehmern der Region und auch von dem beauftragten Schlichter mangels geeigneter Kulisse abgelehnt worden sei.

Herr Koch verkennt dabei, dass es sich bei dieser Ablehnung um die Kulisse eines Nationalparks im Teuto und nicht in der Senne handelt. Pro grün sagt dazu: In der Senn e stellt sich die Situation ganz anders dar; man darf nicht diese beiden Kulissen vermischen!

 

Leserbrief zu F. Koch, NW. 26.1.13: Ein Fall von Stalking,

Die Karnevalssaison nähert sich jetzt ihrem Höhepunkt und wenn man den Leserbrief, den Herr F. Koch unterzeichnet hat, liest, könnte man meinen, dies sei ein Karnevals-Gag. Doch Herr Koch hat unterschrieben als Sprecher der Mittelstandsvereinigung der CDU und zudem auch als stellvertretender Vorsitzender der Kreisunion. Er will also mit diesen Ausführungen Ernst genommen werden.

Weiß denn Herr Koch nicht, dass das Scheitern der Planungen um einen Nationalpark im Teutoburger Wald nichts mit der Senne zu tun hat, auch wenn die Nationalparkgegner beide Kulissen gern und geschickt planmäßig immer wieder miteinander vermischt haben?

Im Gegensatz zum Teuto steht in der Senne nach Abzug der Briten bis 2018 eine nach Bundesnaturschutzgesetz nationalparkwürdige Fläche von 117 Quadratkilometern zur Verfügung, zu 95 % im Bundesbesitz. Dass auf dieser Fläche ein Nationalpark Senne entstehen soll, hat unser Landesparlament wiederholt beschlossen, so steht es auch im derzeitigen Koalitionsvertrag. Und die absolute Nationalparkwürdigkeit ist auch zuletzt noch im August 2011 durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) bestätigt worden.

Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Bundeswehr in Stapel bei Augustdorf nach Abzug der Briten die Senne übernehmen will, auch wenn die Militärfreunde in Augustdorf und Hövelhof Äußerungen des Verteidigungsministeriums so interpretieren wollen. Die Truppe am Standort Augustdorf wird aus Kostengründen beinahe halbiert und nun soll sie die ganze Senne – 20-zigmal so groß wie Stapel – übernehmen und dafür die Kosten tragen? Wirtschaftlich wenig Sinn macht es auch, wenn die Briten und andere NATO-Partner gelegentlich in die Senne zum Üben kommen. Wer soll dafür die Kosten tragen, was hat die Region davon?

Nach einer 120-jährigen leidvollen Militärgeschichte könnte die Senne jetzt in eine friedliche Zukunft steuern: Endlich Frieden für Mensch und Natur! Und das werden die Menschen unserer Region begrüßen.

Auf Grund der Ausweisung als Natura 2000 Gebiet (FFH und EU Vogelschutzgebiet) unterliegt die Senne nach EU-Richtlinie dem Verschlechtungsverbot und muss nach Aufgabe der militärischen Nutzung in die nationale Schutzkategorie eines Naturschutzgebietes überführt werden und damit von Besiedlung und Agrarchemie freigehalten werden. Das bedeutet auch: keine Maisäcker, keine Massentierhaltung, keine Energieholzplantagen, keine Gülleausbringung, keine Biogasanlagen usw.! Was soll also mit der Senne geschehen, wenn die militärische Nutzung aufgegeben wird?

Die Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände haben immer wieder gesagt, allein aus wirtschaftlichen Gründen ist eine Ausweisung der Senne als Nationalpark nach Aufgabe der militärischen Nutzung „alternativlos“.

Die CDU hat bisher nicht gesagt, was denn mit der Senne geschehen soll für den Fall, dass das Militär abzieht. Wunschdenken, es möge bleiben, ist keine verantwortliche Planung für diese nicht-militärische Zukunft der Senne, die immer näher rückt. Hier ist die Mehrheitsfraktion gefragt: Was will sie eigentlich?

Fritz Buhr, Vorsitzender des Umweltschutzvereins pro grün e. V. Paderborn
 

 

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