PM 2012-10-30: Neue Lippe bei Marienloh beeindruckt nicht nur Naturschutzverbände

Bei der Exkursion zur Neuen Lippe bei Marienloh am Samstag, 27.10.2012,  waren nicht nur die Vertreter der Paderborner Naturschutzverbände sondern auch die zahlreich erschienenen Anlieger der 25-köpfigen Teilnehmergruppe aus dem Ortsteil beeindruckt über das, was sich bereits im ersten Jahr der Verlegung der Lippe ins Taltiefst hatte entwickeln können.

Foto: Zum Abschluss der Führung stellte sich ein Teil der Teilnehmer zum Gruppenfoto auf. In der ersten Reihe v. lks. Dipl. Geograph Ralf Kloke (NZO), Dipl. Ing. Volker Karthaus, Michael Bellinghausen (Naturwiss. Verein Pb.), Fritz Buhr (Umweltschutzverein pro grün) und Dr. von Reth (Foto: Wolfgang Dzieran)

Der Wasserverband Obere Lippe (WOL) hatte zusammen mit der Stadt Paderborn die ehemaligen Flößwiesen am Tallehof vom Grafen von Westfalen aufgekauft und lässt als Bauherr in Zusammenarbeit mit der Stadt Paderborn und der Untere Wasserbehörde vom Kreis Paderborn hier eine Lippeauenrenaturierung durchführen. Ziel der Maßnahme ist zweierlei: die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Flusses wie sie in den EU Wasserrahmenrichtlinien für einen guten Zustand des Gewässers gefordert ist und zugleich eine Verbesserung des Hochwasserschutzes von Marienloh und Schloss Neuhaus. 
Nachdem die letzten Erdarbeiten mit dem Unterlauf der Beke termingerecht jetzt nach einem Jahr Bauzeit zum Abschluss gekommen sind, hatte der Wasserverband und das mit der Planung und Bauleitung beauftragte Büro NZO Bielefeld zu einer Besichtigung der Neuen Lippe mit der renaturierten Beke-Einmündung eingeladen. Der Dipl. Geologe Ralf Kloke von der NZO und der Dipl. Ing. Volker Karthaus vom WOL hatten fachkundig die Führung übernommen. Nicht nur die Teilnehmer der Naturschutzverbände sondern auch Anmlieger, die dem Planungskonzept zunächst wohl etwas skeptisch gegenüber gestanden hatten waren sich einig, dass mit den Baukosten von 1,25 Mio. Euro, die zu 80 % vom Land getragen werden, ein hervorragendes Stück Arbeit geleistet worden ist. Diese Maßnahme musste nicht nur die Naturfreunde begeistern. Man kann bereits jetzt erkennen, wie sich die um  500 m auf 2.200 m verlängerte  Neue Lippe - nun wieder in ihrem alten Bett -  durch die ehemaligen Flößwiesen schlängelte, nicht mehr eingeengt durch Uferverbau und Wehranlagen. Auf künstliche Anpflanzungen im Uferbereich soll verzichtet werden und so wird die natürliche Sukzession, die mit dem Aufwuchs von Erlen und Weiden bereits zu erkennen war, die Landschaft neu gestalten. Eine extensive Mähwirtschaft, verbunden mit Schafbeweidung und ganzjährig mit Hochlandrindern sollen das Aufkommen eines ganzflächigen Auenwaldes verhindern.
 
Der Weißstorch  und sogar der Schwarzstorch, wohl aus der Senne kommend, waren als Nahrungsgäste schon gesehen, worden wie Ralf Kloke berichten konnte. Mehrere Flussregenpfeiffer waren im Frühjahr mit ihren Bruten auf den Kiesbänken, die der Fluss in seinem neuen Bett gebildet hatte, für den Vogelkundler zu entdecken. Dies erfreute besonders Michael Bellinghausen als Ornithologen: "Der Flussregenpfeiffer hat in Paderborn in den letzten Jahren einige Brutreviere verloren: Hier findet er eine neue Heimat!"
 
Und es ist nicht nur diese Vogelart, die in der Lippe bei Marienloh ein neuen Lebensraum finden wird. Die Neue Lippe, die sich mit jedem Hochwasser einen sich stetig verändernden Lauf suchen wird und damit neue Lebensräume schafft, bildet hervorragende Voraussetzungen für das Entstehen und hoffentlich auch das Überleben einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Dies war das Resüme, das viele der Teilnehmer von diesem lehrreichen Ausflug mit nach Hause nehmen konnten. Mit nach Hause nehmen konnten sie allerdings auch einen großen Eimer voll mit Müll: Glas- und Plastikflaschen, die achtlos in die Landschaft geworfen worden waren. 
 
 
 
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