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12. Nov. 2010 Verein

Bericht von der Jahreshauptversammlung vom 2. November
Der Paderborner Umweltschutzverein pro grün führte am Dienstag, d. 2.11.10 seine Jahreshauptversammlung im Cafe Röhren durch. Bei der mit 35 Mitgliedern und etlichen Gästen gut besuchten Veranstaltung präsentierte sich der Verein auch im 35. Jahr seines Bestehens als sehr lebendig und vielseitig, aktiv auf vielen unterschiedlichen Aufgabenfeldern.

Unsere Pressemitteilung
Bericht im Westfälischen Volksblatt

„Natur- und Umweltschutz ist heute so wichtig wie  bei unserer Vereinsgründung vor 34 Jahren“, begann pro grün Vorsitzender  Fritz Buhr den Bericht des Vorstands, und fuhr fort „bei den vielfältigen Aufgaben des Vereins ist die Zusammenarbeit  mit den befreundeten Vereinen BUND, NABU, GNS und Naturwissenschaftlichem Verein Paderborn umso wichtiger, denn bei ihnen konzentriert sich der Sachverstand, den wir für unsere Vereinsarbeit brauchen.“ 

Beeindruckend der Katalog der Aufgabenfelder, in denen pro grün in den vergangenen 12 Monaten sich engagiert hatte und von denen einige genannt wurden: MVA Mönkeloh, Truppenübungsplatz Senne und Nationalpark, B1n Ausbau zwischen Paderborn und Salzkotten mit Tieferlegung bei Gut Warthe, Umgehungsstraße Bad Lippspringe, Klimaschutz in Paderborn, Gentechnik und Monsanto, Fahrradverkehr, Baumfällaktionen und Baumschutz (z.B. beim Goerdeler Gymnasium, an der Hathumarstr. und am Maspernplatz, an der Liboristr. usw.), Runder Tisch Wasser, Lärmminderungs- und Luftreinhalteplan in Paderborn, Mobilfunkmasten im Stadtgebiet, Laufzeitverlängerung bei AKW’s, Castortransport, Radioaktivität bei Pilzen, Obstbaumwiese im Rückhaltebecken, Obstbaumschnitt, Biotop Vüllersheide usw.

Einen breiten Raum im Vortrag und der sich anschließenden Diskussion nahm der Bericht von den Vorstandsmitgliedern  Barbara Leiße und Dieter Dubisch zum Thema ‚Verbesserung des Fahrradverkehrswegenetzes’ ein. Hier beteiligten sich  als Gast Armin Mommen von dem Verein „Radfahren in Paderborn und OWL“ und Ulrich Ruschemeier, pro grün und ADFC Mitglied, an der lebhaften Diskussion.

Barbara Leiße berichtete auch von ihren Aktivitäten zur Einrichtung eines gentechnikfreien Kreises Paderborn, vom Obstbaumschnitt-Seminar  und von der Apfelernte auf der Streuobstwiese im Rückhaltebecken am Südring.  Die Bäume waren vor über 20 Jahren von pro grün Mitgliedern gepflanzt worden und trugen in diesem Jahr reichlich Frucht.

Von besonderem Interesse für die pro grün Mitglieder waren die Ausführungen von Rainer Glaschick zu aktuellen Radioaktivitätsmessungen bei Pilzen. Der Verein hatte vor 24 Jahren nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl für über 30.000 DM ein Radioaktivitätsmessgerät gekauft, das nun auf Anregung von Prof. Dr. Sigmar Berndt vom Naturwissenschaftlichen Verein Paderborn wieder aktiviert worden war zur Messung der Radioaktivität von heimischen Pilzen. Dabei ergaben Vergleichsmessungen bei der Behörde in Detmold (CVUA-OWL, Detmold), die noch volle Funktionsfähigkeit des Geräts.

Einzelne Messergebnisse ergaben noch deutlich erhöhte Cäsium-137 Werte, die aus der Tschernobyl-Katastrophe herrührten. Die höchsten Werte traten auf bei Maronenröhrlingen aus Herbram Wald mit 71  Becquerel pro Kilo Frischgewicht Cäsium. Bei Lärchenröhrlingen lag der Wert bei 38,2, bei Pfifferlingen aus Polen vom Markt bei 22,9 und auch bei Bio-Pfifferlingen noch bei 44,7 Bq/Kg Frischgewicht Cs.

Diese Werte liegen zwar weit unter dem nach Tschernobyl willkürlich festgesetzten Grenzwert von 600 Bq/Kg  Cs-137, doch lassen sich aus strahlenbiologischen Gründen, so Prof. Berndt, für Radioaktivität keine Grenzwerte angeben, bei denen sie ungefährlich sind. Daher raten unabhängige Wissenschaftler zu deutlich niedrigeren Höchstwerten. Bei Erwachsenen werden für Nahrungsmittel 30-50 Bq/Kg, bei Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern 10-20 Bq/Kg  genannt. (Prof. Berndt ist beratender Arzt und Toxikologe der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.)

Diese Messergebnisse machen deutlich, so stellte Buhr abschließend fest, welches Gefahrenpotential weltweit auch in der friedlichen Nutzung von Atomenergie schlummert, wenn selbst nach 24 Jahren noch Gesundheitsgefährdungen über Tausende von Kilometern bestehen. Dabei hat das strahlende Cäsium-Isotop 137 eine vergleichsweise kurze Halbwertzeit von nur 30 Jahren. (Bei Plutonium sind es über 24.000 Jahre.) Die Teilnahme von pro grün Teilnehmern an der Demo in Berlin gegen die Verlängerung der AKW- Laufzeiten findet so eine nachträgliche Berechtigung.

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