Bio-Energie? - Nein danke

Unser pro grün Mitglied Frau Dr. Jennifer Seeckts, zugleich Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, protestierte auf dem Parteitag der Grünen in Hannover gegen den weiteren Ausbau der sogenannten Bio-Energie mit diesen beiden Plakaten. Dies geschah ganz im Sinne unseres Vereins!

Aus einem Leserbrief von Frau Dr. Jennifer Seeckts in der Neuen Westfälischen v. 19.12.12 über den Einsatz von Harvestern:


Kürzlich bin ich vom Knickweg aus über die Husener Straße
Richtung Haxtergrund gewandert. 

Kaum ein Stück des Weges gelaufen, wähnte ich mich an einem Truppenübungsplatz.Zahlreiche tiefe Furchen wie von Panzern gezogen waren in einem umzäunten Areal zu sehen, das an ein militärisches Sperrgebiet erinnerte. Was war passiert?
Da ich in letzter Zeit etliche Bücher des Forstingenieurs und
ökologisch arbeitenden Försters Peter Wohlleben gelesen habe,
war es für mich unschwer zu erraten.


Bei diesem malträtierten Waldareal handelt es sich um ein Meisterstück in Sachen destruktiver Forstwirtschaft der Neuzeit. Die tiefen Furchen lassen auf einen Harvester schließen, der auf Grund seines hohen
Gewichtes in sichtbar geringen Abständen dasÖkosystem Waldboden regelrecht unter sich platt gemacht hat. Wer es nicht weiß: Ein intakter Waldboden ist ein lockeres, hochsensibles Gebilde, das millionenfaches Leben in sich birgt, und in Jahrzehnten,gar Jahrhunderten durch die Bearbeitung kleinster Bodenlebewesen (Bakterien, Würmer, Käfer etc. ) entstanden ist.


Dieses lockere Gefüge ist zudem äußerst wichtig für die Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens, geradezu überlebenswichtig bei unseren zunehmend heißen Sommern. Insbesondere, da in dieser umzäunten Schonung weit und breit kein Baum zu sehen ist, der genügend Schatten spenden könnte. Doch wenn der Betrachter meint, da gibt es doch noch „optisch“ intakte Bereiche, über die der Harvester nicht gewalzt ist, den muss ich enttäuschen. Diese Bereiche sind durchdie Erschütterung zwar nicht so stark, dennoch dermaßen komprimiert, dass auch hier die ursprüngliche lockere Struktur zerstört ist. Wer einmal neben einemRüttler gestanden hat, weiß was, ich meine.
Um es kurz zusammenzufassen:


Hier wurde ein Ökosystem intakter Waldboden derart verdichtet, dass es mindestens Jahrzehnte braucht, um die alte Struktur wiederzuerlangen. Vorausgesetzt, es wird nicht erneut darüber gewalzt. Das Ganze
wurde zudem mit einem grässlichen Zaun in Guantanamooptik
versehen, offenbar dem Sparzwang geschuldet, genauso wie
der Einsatz dieser unsäglichen Harvester, um das, was offenbar
dort „gedeihen“ soll, vor Verbiss der zahlreichen Waldbewohner
zu schützen. Hätten unsere Vorfahren damals schon Harvester
benutzt, dann wäre es um unsere durch Umwelteinflüsse gebeutelten
Wälder noch weitaus schlechter bestellt.


Doch neuerdings kommt noch eine weitere Bedrohung für unsere Wälder hinzu. Sie schrumpfen weltweit in Besorgnis erregender Weise. Auch hierzulande ist ein immenser Kahlschlag zu beobachten. Seit der
massiven Bioenergieförderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, hat die Forstwirtschaft nur noch Dollarzeichen im Blick. Pelletöfen und Holzhackschnitzelheizkraftwerke sind derzeit die vermeintlich „klimaneutralen“ Renner auf dem Markt. Dass diese Klimaneutralität eine Milchmädchenrechnung ist, wollen die Lobliedsinger und Befürworter der Bioenergie jedoch nicht wahr haben. Man bedenke! Die Bäume, die „geerntet“ und durch den Schornstein gejagt werden, stehen als CO 2 -Senken definitiv nicht mehr zur Verfügung. Bis die nachgepflanzten Bäumchen einmal deren CO 2 -Bindungskapazität erreicht haben, gehen Jahrzehnte, gar Jahrhunderte ins Land. Jetzt mal ehrlich: Was ist an Pellets klimaneutral, die u.a. von Bäumen kanadischer Wälder stammen, dort unter hohem energetischem Aufwand gepresst, über den Atlantik geschippert und an den Bestimmungsort transportiert werden, um dann in deutschen EEG-geförderten Pelletöfen verheizt zu werden? All das ist für mich der ökologischeWahnsinn schlechthin.


In seinem Buch mit dem sehr treffenden Titel „Holzrausch“ schreibt Peter Wohlleben über diese Problematik. Fazit zur heutigen Forstwirtschaft mit all ihren Exzessen: Verantwortungsvolle und nachhaltige Waldwirtschaft sieht anders aus.

Und wer immer noch glaubt, Bioenergie sei klimaneutral, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. 




 
 
 

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