Pressemeldung: Natur- und Menschenschutz nach Paderborner Art

In der heutigen (15. November 2012) Sitzung des Bau- und Planungsausschusses sind bei zwei Tagesordnungspunkten Entscheidungen zu befürchten, die mit einer verantwortbaren Grünflächenplanung unserer Stadt nicht zu vereinbaren sind:

  • Für den nach Landschaftsgesetz NRW "geschützten Landschaftsbestandteil" am Mömmenbach/Stiller Winkel wird der Schlussvorhang fallen: Ein dort ansässiger Gewerbebetrieb an der Max-Planck-Straße darf sich zur Betriebserweiterung in den Wald hinein ausdehnen, die Bäume werden gefällt, der Betreiber muss allerdings die  Rückwand zum Restwald hin mit Holz verkleiden. Das ist umgesetzter Natur- und Anwohnerschutz nach Paderborner Art!
  • Ein weiterer Naturfrevel bahnt sich am Ludwigsfelder Ring/Warburger Straße an. Hier soll eine von Bäumen umsäumte öffentliche Grünfläche für den Bau von 132 Studentenwohnungen mit entsprechender Zuwegung und 85 Parkplätzen genutzt werden. Auch wenn der Errichtung von zusätzlichen Studentenquartieren unstrittig notwendig ist und auch wenn die unmittelbar angrenzende Hochschule diesen Standort sehr verlockend macht, ist er aus stadtarchitektonischer Sicht, die für Natur und Mensch auch eine verantwortbare Grünflächenplanung berücksichtigen muss, entschieden abzulehnen. Diese kleine grüne Insel mit der angrenzenden Streuobstwiese inmitten eines dicht bebauten Gebietes, von stark befahrenen Straßen (Warburger Straße und Ludwigsfelder Ring) eingerahmt, sollte als öffentlich nutzbare Grünfläche für den Menschen und  auch für die Natur erhalten bleiben.
Bei der Planung des Studentenheims muss verwundern, dass zu den 132 Wohnungen 85 Stellplätze vorgesehen sind. Die mit öffentlichen Mitteln geförderten Studentenunterkünfte sollten doch wohl auch an finanziell weniger begüterte Studenten abgegeben werden, die nicht gerade über Geld zur Finanzierung von Privatautos verfügen. Zudem läge die Uni in Steinwurfnähe und damit wäre die Wohnanlage auch optimal an den Öffentlichen Personenverkehr angeschlossen. Für eine derartige Wohnanlage sollte die Stellplatzverordnung für Privathäuser keine Geltung haben.
 
Resümee: Wenn für den Mömmenbach die Würfel leider gefallen sind, sollte der Standort für das Studentenwohnheim noch einmal überdacht werden und nach Alternativen im Umfeld gesucht werden, zumal die Lärmimmissionen von dem stark befahrenen Ludwigsfelder Ring zum Wohnheim hin eine große Beeinträchtigung der Wohnqualität darstellen würde.
 
Es ist bedauerlich, dass die Stadt Paderborn den in der Vergangenheit beschrittenen Weg fortsetzt und die wenigen im Stadtbereich vorhandenen Grünflächen immer wieder glaubt als preiswertes Bauland zu nutzen und damit deren vitale Funktion für gesundes, menschenwürdiges Leben in einer Großstadt einfach ignoriert.
 
Der Rat der Stadt Paderborn hat beschlossen, diesen Bürgerantrag in der kommenden Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 29. Januar zu behandeln, da dieser Ausschuss laut Ratsbeschluss für Fragen der Konversion zuständig ist.
 
 
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