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22. Jan. 2010 Naturschutz

Unsinnig rigoroser Kahlschlag am Goerdeler-Gymnasium
Der Anlieger Andreas Eikenberg kritisiert mit Recht die Kahlschlagaktion, die im Auftrag des Grünflächenamtes der Stadt - vermutlich von einem beauftragten Fremdunternehmen - jetzt durchgeführt wurde.

Es ist zwar richtig und bewährte Praxis, derartige Gehölzstreifen und Hecken regelmäßig, etwa alle sechs bis sieben Jahre, so wie auch hier geschehen, 'auf den Stock zu setzen', auch wenn das manchmal grausam aussehen mag. Pro grün erhält dazu regelmäßig Anrufe empörter Anlieger und muss diese dann beruhigen. Aber innerhalb des im Landschaftsgesetz NRW dazu vorgesehenen Zeitraums außerhalb der Vogelbrutzeit bis zum 28. Februar ist das in Ordnung und auch notwendig.
 
Nicht in Ordnung ist allerdings die vom Grünflächenamt leider vermehrt geübte Praxis, dieses 'Auf-den-Stock-setzen'  bei einem einzigen Termin auf  derartig langen Strecken (hier auf ca. 160 m Länge) auf einen Schlag durch führen zu lassen. Es ist unbetrittene Praxis guter Landschaftspflege, bei längeren Strecken das 'Auf-den-Stock-setzen' abschnittsweise durchzuführen. Im vorliegenden Fall wäre dies also im zwei- bis dreijährigen Rhythmus jeweils eine Strecke von etwa 50 m. Dies wäre nicht nur aus ökologischen Gründen für Insekten, Kleintiere und insbesondere für unsere Singvögel gut sondern auch für uns Menschen, die nicht plötzlich in eine Kahlschlagwüste blicken müssten. Zudem können Kleintiere auch nicht größere Strecken auf der Suche nach einem neuen Refugium, insbesondere beim Fehlen entsprechender Vernetzung, über Straßen und Bebauung überwinden, wie es der Pressesprecher der Stadt erklärt. 
 
Dass dies so ist, wissen natürlich auch die Fachleute in unserem Grünflächenamt mit Dr. Frank Becker als Amtsleiter an der Spitze. Wenn Pressesprecher Jens Reinhard offen zugibt, dies sei aus Kostengründen so praktiziert worden, so muss das gerügt werden. Wir wissen - das mag mancheinen überraschen - , dass im durchgrünten Siedlungsbereich   die Artenvielfalt häufig größer ist als in der agrarisch genutzten freien Landschaft, etwa bei den Singvögeln. Daher gilt es, diese Naturräume im Stadtbereich besonders pfleglich zu behandeln und nicht aus Kostengründen in ihrer ökologischen Wertigkeit  zu gefährden. Zudem ist diese schlechte Praxis auch planungsrechtlich zu beanstanden: Eine gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsfläche darf nicht ihrer Ausgleichsfunktion beraubt werden durch unsachgemäße Pflegemaßnahmen.
 
Derartige radikale Kahlschlagaktionen sind in Paderborn leider eine zunehmend geübte Praxis. Besonders schmerzhaft wurde sie z. B. von vielen Bürgern im letzten Jahr empfunden, als ein Unternehmen den Gehölzstreifen an der Fürstenallee beim Padercafe zwischen Straße und Uferrandweg am Padersee auf einer Länge von etwa 100 m 'auf den Stock' setzte. Dass es auch anders geht, kann man manchmal an Bundesautobahnen beobachten, an denen das sogenannte Straßenbegleitgrün trotz erschwerter Arbeitsbdingungen bei Hanglage und fließendem Verkehr abschnittsweise zurückgeschnitten wird.
 
Pro grün empfiehlt der Politik, diese Kosteneinsparungspraxis einmal im zuständigen städtischen Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt zu thematisieren. Wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung und der überall drohenden Kosteneinsparungen in der Landschaftspflege könnte sie auch Thema sein im entsprechenden Kreisausschuss und im Landschaftsbeirat.
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