Suche

21. März 2010 Wasser

Pressemitteilung zum Weltwassertag am Montag (22.3.)
Motto 2010:  Sauberes Wasser für eine gesunde Umwelt  - Clean Water for a Healthy World
Die Wasserqualität ist neben der mengenmäßigen Verfügbarkeit der Schlüssel für menschliche Gesundheit und gesunde Ökosysteme.

Wenn in vielen Regionen der Erde mangelnder oder gänzlich fehlender Gewässerschutz Ursache für eine dramatische Verunreinigung von Flüssen, Seen und Grundwasser ist, so haben wir in Deutschland doch einen vergleichbar hohen Standard. Doch das Gute ist der Feind des Besseren und auch in unserer Region gilt es, einer Verschlechterung entgegen zu arbeiten und weiterhin um Verbesserungen zu kämpfen.

Pressemitteilung zum Weltwassertag

Zur Erreichung des von Brüssel in den Wasserrahmenrichtlinien bis 2015 geforderten ‚guten Zustandes’ unserer Gewässer  wurden von der Bezirksregierung Detmold in den vergangenen zwei Jahren an einem Runden Tisch unter Beteiligung aller Akteure in mehreren Sitzungen Bewirtschaftungspläne für unsere Region aufgestellt um dieses Ziel zu erreichen.

Bei dem  vorgelegten Ist-Zustand wurden insbesondere bei den Fließgewässern zahlreiche Defizite aufgezeigt, die es durch Renaturierungsmaßnahmen abzuarbeiten gilt. Hier leistet der Wasserverband Obere Lippe (WOL) in Zusammenarbeit mit der Unteren Landschaftsbehörde  (ULB) des Kreises Paderborn unzweifelhaft gute Arbeit, die zudem viel Geld kostet. Beispiele hiefür sind Renaturierungsmaßnahmen auf Teilabschnitten von Lippe, Alme, Altenau, Sauer, Ellerbach usw. Diese Arbeit darf in den kommenden Jahren nicht wegen fehlender Finanzmittel oder Einsprüchen von Anliegern reduziert werden. Hier ist noch viel zu tun.

Recht positiv stellt sich die Lage im Bereich des Grundwassers dar. Auch wenn die Kooperation der Landwirtschaft mit der Wasserwirtschaft noch nicht überall die gewünschten Erfolge bringt.. So sind z. B. im Bereich von Sande die Schadstoffeinträge durch die Landwirtschaft  immer noch zu hoch. Im Bereich des Offenen Karsts der Paderborner Hochfläche, wo der Grundwasserhorizont  wegen der hydrogeologischen Lage kaum geschützt ist, ist der ‚gute Zustand’ insgesamt immer noch gegeben; aus der Sicht der Naturschutzverbände jedoch durch die fortschreitende Genehmigungspraxis der Behörden von industrieller Massentierhaltung für die Zukunft gefährdet. Wenn schon nicht generell aus ethischen Gründen und solchen des Tierschutzes sollte sie zumindest aus Gründen eines vorsorgenden Grundwasserschutzes auf der Hochfläche nicht zulässig sein.

Eine besondere Gefahr nicht nur für das Grundwasser sondern auch für Fließgewässer stellt diese Intensivhaltung von Tieren in der Landwirtschaft nicht nur für die Böden und das Grundwasser sondern auch für Fließgewässer dar, selbst wenn die Gülleausbringung nach den so genannten Regeln der guten landwirtschaftlichen Praxis durchgeführt wird. Die ab dem 1. März zulässige Gülleausbringung hat infolge des in diesem Jahr verlängerten Winters mit noch verfestigtem Boden nicht nur zu Geruchsbelästigung für  die Menschen bis in die Stadt Paderborn hinein geführt; sie blieb auch tagelang in großen Pfützen auf den Äckern stehen. Zudem mussten beispielsweise Schülerinnen und Schüler eines Leistungskurses des Reismann-Gymnasiums bei den routinemäßig durchgeführten Wasseranalysen des Rothebachs noch am 10. März feststellen, dass u. a. der Ammoniumgehalt im Wasser sich von 0,03 auf 0,1 mg/l mehr als verdreifacht hatte: eine Folge des Gülleaustrags. Die Landwirte standen unter Druck: Die Güllebehälter waren randvoll und die Gülle musste ausgetragen werden.

Ein Problem eigener Art für die Wasserqualität stellen die vermehrt gebauten Biogasanlagen dar. Bei immer wieder auftretenden Havarien infolge technischen oder menschlichen Versagens treten große Mengen Gülle aus mit entsprechenden Folgeschäden für Fließgewässer und Grundwasser. Hier müssen redundante Systeme mehr Sicherheit gewährleisten und zudem stellt sich die Frage, ob deren Zulässigkeit im Offenen Karst auf der Hochfläche verantwortbar ist.

Die Problematik von Kanusport  für den Naturschutz ist bekannt. Eine besondere Qualität erhält sie, wenn in diesem Jahr die Lippeumflut um den Lippesse bei Sande nach Ablauf der fünfjährigen Schonfrist für die Umflut nun ausläuft und die Umflut für  den Wassersport freigegeben wird und zudem noch der Paderborner Kanuverein sein Bootshaus von der Pader an die Umflut legen will. Das im Auftrag des Staatlichen Umweltamtes Lippstadt durchgeführte Monitoring hat ergeben,  dass sich nicht nur alle 17 Fischarten der Lippe wieder angesiedelt haben, sondern dass die Umflut  durch ihre Gestaltung sich zu einer regelrechten Kinderstube für regionstypische Fischarten entwickelt hat. Insbesondere  die Bestände junger Äschen haben sich nach dem Ablaichen besonders gut entwickelt und betragen  z. T. das zehnfache der Vergleichsstrecken  oberhalb und unterhalb der Umflut. Wenn nun die Umflut in den teilweise sehr trockenen Sommermonaten von Booten befahren wird, ist dieser  Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen mehr als gefährdet. Die Forderung kann daher nur lauten, dass zumindest in den oberen zwei Dritteln  der Umflut diese für das Durchfahren mit Booten gänzlich gesperrt wird. Dafür muss dieser Teil unter Naturschutz gestellt werden, auch wenn sich eine einflussreiche Lobby dagegen sperrt.

Eine ganz große Gefahr für die Qualität des Grundwassers stellen marode gewordene Abwasserleitungen dar, aus denen Schmutzwasser in den Untergrund treten kann, das dann das Grundwasser verseucht und unsere Trinkwasserversorgung gefährdet. Wenn jetzt das von der Privatwirtschaft und aus Kreisen der Politik immer wieder geforderte Steuerprivileg der bisher vorwiegend kommunalen Abwasserentsorgungsbetriebe fällt, dann besteht die Gefahr, dass die Kommunen – auch die Stadt Paderborn – ihren defizitären Haushalt durch Verkauf  der Abwasserentsorgung sanieren wollen. Das würde nicht nur höhere Abwasserpreise für  den Bürger bedeuten sondern auch eine Gefährdung des Grundwassers, denn private Betriebe sind weniger  interessiert an hohen Sicherheitsstandards für das Grundwasser als vielmehr an Profit.

Fritz Buhr                                           

Zum Anfang