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24. Okt. 2008 Naturschutz: Senne

Natur- und Umweltschutzverbände gemeinsam gegen britische Kampfdörfer in der Senne
In Paderborn nimmt durch die Naturschutzverbände die Bewegung gegen die militärischen Ausbaupläne der Briten in der Senne Fahrt auf. Gegen den Bau von sechs Kampfdörfern, der Betonierung von 40 km Straße, die Errichtung eines Höhlenkomplexes, den Bau und Ausbau von Schießständen und weitere Infrastrukturmaßnahmen haben zuerst der Umweltschutzverein pro grün, der BUND, der Naturwissenschaftliche Verein Paderborn und die Gemeinschaft für Naturschutz Senne (GNS) protestiert.

Nun haben sich auch der Bund für Tier- und Naturschutz in Ostwestfalen und der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der größte Naturschutzbund in Deutschland, gegen diese Ausbaupläne ausgesprochen.

Unterschriftenliste
Pressemitteilung (PDF)

Bisher haben die Naturschutzverbände auch Vorteile für die Natur in der militärischen Nutzung gesehen: die Verhinderung von Bauplänen der Anrainergemeinden und die Offenhaltung der Heideflächen. Daher war eine weitere Doppelnutzung als militärischen Übungsplatz und Nationalpark akzeptabel. Jetzt ist aus Sicht der Verbände eine entscheidende Grenze überschritten worden: Durch die geplanten Baumaßnahmen und die intensivierte ganzjährige Nutzung der Senne wird das bisherige ökologische Gleichgewicht entscheidend zerstört; die bisherigen Vorteile verschwinden. Die Nationalparkwürdigkeit der gesamten Senne ist jetzt in Frage gestellt. Anzuzweifeln ist zudem, ob diese Baumaßnahmen und diese intensivierte Nutzung einer FFH-Verträglichkeitsprüfung nach EU-Recht standhalten werden.

Auch eine Nutzung der Senne für die Öffentlichkeit wird durch verlängerte Sperrzeiten zunehmend eingeschränkt, wenn nicht gar gänzlich unmöglich gemacht.

Zudem ist bei einer Intensivierung der militärischen Ausbildung auch mit erheblichen Umweltverschmutzungen durch Treib- und Schmierstoffe sowie durch die Rückstände von Munition zu rechnen. Dazu kommt die Problematik von Uran-angereicherter Munition, die die Umwelt für Jahrtausende verseuchen würde.

Eine Änderung dieses Zustands durch Abzug der Briten aus der Senne rückt allein wegen der hohen Investitionskosten in weite Ferne. Nach Medienberichten hat der Truppenübungsplatzkommandant Martin Travers erklärt, sie wollten für weitere 27 Jahre, bis zum Jahr 2035, in der Senne bleiben und diese zum Herzstück der Ausbildung der britischen Armee in Deutschland machen.

Auch wenn es nicht primäre Aufgabe der Naturschutzverbände ist, die politischen und militärischen Aspekte zu diskutieren, die ins Blickfeld geraten, wenn die Briten die Senne für die nächste Generation zum Zentrum der Ausbildung ihrer Soldaten in Deutschland für Kriege wieim Irak und in Afghanistan machen wollen, so können sie doch einige Fragen an die Politik und die Menschen in Deutschland stellen.

Wollen wir wirklich in unserer Region, im geographischen Mittelpunkt Deutschlands, in einem Gebiet, das unstrittig Nationalparkwürdigkeit besitzt, auf Dauer einem - de fakto exterritorialen - Übungsplatz opfern? Dann könnte auch unsere Region, Paderborn insbesondere, auch in das Blickfeld terroristischer Aktionen gelangen.

Diese existentiellen Fragen unserer Region zu beantworten kann nicht Aufgabe der Naturschutzverbände sein; hier ist die Politik – und nicht nur die vor Ort – gefragt und hieran muss in einem demokratischen Staatswesen auch eine breite Öffentlichkeitbeteiligt werden.

Wir als Naturschutzverbände halten jedenfalls aus Gründen des Naturschutzes diese Ausbaupläne für immens schädlich. Daher haben wir gemeinsam mit Bürgern der Gemeinden Schlangen und Bad Lippspringe – eine Unterschriftenaktion gegen die geplanten Baumaßnahmen und die intensivierte ganzjährige Nutzung der Senne durch das britische Militär gestartet und eine Liste zum Herunterladen (s.o) ins Netz gestellt. Wir fordern die Bevölkerung auf, sich an der Unterschriftenaktion zu beteiligen und erwarten auch von der Politik Unterstützung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Buhr

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