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14. Sept. 2006 Naturschutz

Kahlschlag in der Forstverwaltung
Mit Entsetzen haben die Umweltverbände die Entscheidung der Landesregierung zur Kenntnis genommen, dass die Forstverwaltung in NRW bis zur Unkenntlichkeit  verstümmelt werden soll. Die 35 Forstämter sollen jetzt zu 15 Megaeinheiten zusammengefasst werden.

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Pressemitteilung

Kahlschlag in der Forstverwaltung

Mit Entsetzen haben die Umweltverbände die Entscheidung der Landesregierung zur Kenntnis genommen, dass die Forstverwaltung in NRW bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden soll. Die 35 Forstämter sollen jetzt zu 15 Megaeinheiten zusammengefasst werden.

Die 35 Forstämter waren schon bisher kaum in der Lage, ihre vielfältigen Aufgaben zu erledigen: von der Waldpflege über ordnungsbehördliche Aufgaben bis hin zu Erholungsdienstleistungen. Ihre einzige Aufgabe soll es nun sein, Holz zu hacken und Geld in die leeren Landeskassen zu bringen.

Schon heute klagen Forstleute darüber, dass sie kaum noch wissen, wo sie das Holz herholen sollen, um die Landeskassen zu füllen. „Die Grenzen der Nachhaltigkeit sind längst erreicht“, so klagen viele Förster, „ aber wir sollen immer noch mehr hacken“.

Mit der Verstümmelung der Landesforstverwaltung setzten Uhlenberg und die Landesregierung ihren konsequenten Kurs der Marginalisierung der Umweltverwaltung NRW fort. Der Fortschritt wird nur noch im wirtschaftlichen Wachstum, nicht mehr im Schutz der Umwelt gesehen.

Das Einschmelzen der Forstverwaltung bedeutet auch eine schallende Ohrpfeife für den Einsatz und das Engagement vieler Forstleute, die nicht nur die Wälder bestens gepflegt, sondern Schutzgebiete eingerichtet, zahllose Waldschulen und Waldkindergärten gegründet und z. B. Waldjugendspiele durchgeführt haben, um den besonderen Bedürfnissen der Natur und der Bevölkerung in NRW Rechnung zu tragen.

Kurzfristiges Renditedenken der neuen Koalition auf Landesebene wird zu unlösbaren Arbeitsbedingungen für die in der Landesforstverwaltung Beschäftigten und zu Qualitätsverlusten für die neuen – übrig bleibenden - Großforstämter führen.

Die Förster werden demnächst Hubschrauber statt Autos brauchen, wenn sie ihre Wälder – in unserer Region etwa irgendwo zwischen Höxter und Büren - sehen und nach den gesetzlichen Vorgaben pflegen und entwickeln wollen.

Die geplante Amputation der Forstverwaltung bedeutet aber nicht nur Bürgerferne, statt Bürgernähe; sie wird auch zum Niedergang der deutschen Forstwirtschaft insgesamt beitragen. Das in Deutschland seit 200 Jahren entwickelte Modell „nachhaltige, naturnahe Waldwirtschaft“, das weltweit kopiert wird, gerät durch die Geldgier von Landesregierungen und Parlamentariern zunehmend in Gefahr. Personalknappheit wird dazu führen, dass dieses Modell - ausgerechnet im Land seiner Erfindung - langsam zugrunde geht und dem „Holzacker“ weicht.

Deutsche Forstleute haben Mitte des 19. Jahrhunderts den Begriff einer „nachhaltigen Waldwirtschaft“ entwickelt In seiner englischen Übersetzung mit „sustainable development“ ist dieser Begriff inzwischen zu einem, wenn nicht dem Schlüsselwort unserer Epoche geworden. Spätestens seit der Umweltkonferenz von Rio de Janeiro 1992 steht er für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Schätzen – den „Ressourcen“ - dieser Erde. Sie gilt es so sparsam zu nutzen, dass auch unsere Nachkommen in zukünftigen Generationen noch eine faire Chance des menschlichen Überlebens auf diesem Planeten haben.

Nun sollen ausgerechnet in Deutschland gut ausgebildete Forstleute in sachfremde Verwaltungszweige hineingezwungen werden, und das in einer Zeit, in der wichtige umweltpolitische Richtungsentscheidungen anstehen, zu denen forstliche Expertise dringend benötigt würde: Man denke nur an die noch bevorstehende Entwicklung in dem Energieholzsektor oder an die expandierende Rohstofferzeugung für Bio-Kraftstoffe.

Nein, Herr Uhlenberg, diese Entscheidung können Sie uns nicht als sachgerecht verkaufen! Trotz allen populistischen Geplappers von „schlanker Verwaltung und Kostenersparnis“ bleibt für uns der Eindruck, dass hier unsere bisherige gut funktionierende gewinnträchtige Forstverwaltung wider besseres Wissen derart „abgeholzt“ wird, dass sie ihre wichtigen Zukunftsaufgaben im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht mehr wahrnehmen kann und – vielleicht sogar – auch gar nicht mehr wahrnehmen soll!

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Buhr, 1. Vorsitzender

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