Kiesabbau und Lippeumflut - 2004

Trotz strömenden Regens war eine kleine Gruppe Unentwegter der Einladung des Staatlichen Umweltamtes Lippstadt gefolgt und ließ sich von der Projektleiterin Annette Berning und dem Biologen Dr. Günter Bockwinkel, der auch die Bauleitung hat, vor Ort über den Fortschritt der Renaturierungsmaßnahme informieren.

Annette Berning erläuterte noch einmal die Notwendigkeit der Herausnahme der Lippe aus dem See aus vorrangig drei Gründen: die Verbesserung der Gewässergüte von Lippe und See, die Wiederherstellung des Geschiebetransportes für den Unterlauf und auch die Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit für Organismen im Gewässersystem.

Der Ausgangspunkt der Regenwanderung an der neuen Fußgängerbrücke über die Lippe an der Basis der Halbinsel machte allerdings auch bereits auf ein großes Problem bei der Durchführung dieser Maßnahme im Rahmen des Gewässerauenprogrammes des Landes NRW deutlich. Da die Kiesindustrie mit den Firmen Exaktkies und Siemensmeier sich bereits vor Beginn der Planung in den Besitz aller für eine Umflut in Frage kommenden Landflächen gesetzt hatten, konnten sie den Verlauf der Umflut bestimmen.

Der herausgehandelte Kompromiss beinhaltet u. a. den Abbau des größeren Teils der Halbinsel, die ein Jahrzehnt zuvor mit öffentlichen Mitteln in Höhe von DM 6,5 Mio. als ein Erholungsschwerpunkt ausgebaut worden war. Die jetzt beginnende Zerstörung dieser beliebten Halbinsel ist nicht nur in Kreisen der Paderborner Natur- und Umweltschutzvereine auf heftigen Widerstand gestoßen. Die Vergrößerung der Seefläche um etwa 20 Hektar durch den Abbau der Halbinsel und Hinzunahme des Exaktkiessees im Südwesten neben dem Nesthauser-Grundsee bedeutet für die Wassersportler einen Gewinn, für Ruhe und Erholung suchende Wanderer und Radfahrer allerdings einen Verlust an Fläche und Landschaft.

Sehr beeindruckt zeigten sich die Exkursionsteilnehmer von pro grün von dem Fortschritt der Bauarbeiten am Südufer des Lippesees, die bereits deutlich erkennen lassen, wie die Neue Lippe in einem Jahr durch einen etwa 60 m breiten Auenkorridor am Rande des vergrößerten Sees herumgeführt wird. Die zum Teil im gewachsenen Boden, zum Teil im wieder vorgeschütteten Bereich hineinmodellierte neue Flussaue ist bereits mit etwas Grund- und Regenwasser gefüllt und Dr. Bockwinkel konnte aufzeigen, wie die Natur schon beginnt, sich ihr jetzt künstlich geschaffenes Reich zu erobern und dort heimisch zu werden. So waren etwa Flussregenpfeifer und Rotschenkel trotz der widrigen Witterung zu hören und zu sehen.

Bei der Begehung wurde deutlich, dass der neue, renaturierte Lippeverlauf Bereicherung und Gewinn für den Naturhaushalt bedeuten wird. Pro grün – so machte Sprecher Fritz Buhr in seinen Dankesworten am Ende der Begehung deutlich – will nach vorne blicken und – insbesondere - die weitere Umsetzung des Lippeauenprogramms unterstützen.

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