Klimaengel in der NW: Lebensmitteltransporte per Flugzeug

09. Dez. 2009 Klimaschutz

Klimaengel in der NW: Lebensmitteltransporte per Flugzeug

Unserem Landrat Manfred Müller ist nur voll zuzustimmen, wenn er als 'Klimaengel' für die Verbraucherzentrale Paderborn agierend darauf hinweist, dass von allen Lebensmitteln Flugware - also per Flugzeug transportierte Lebensmittel - am meisten CO2 verursacht

Neue Westfälische vom 5. Dez. 2009

Flugzeuge sind eben die klimaschädlichsten Verkehrsmittel, da ihre Abgase sich dort in der Stratossphäre dreimal länger halten als in Bodennähe. CO2 hat eine Verweildauer von 20 bis 90 Jahren in der Atmossphäre. Und dort oben wirkt sich selbst der aus Wasserdampf bestehende Kondensstreifen, den wir vom Boden aus wahrnehmen können, als schädliches Klimagas aus. Bei 40 - 50 Grad minus zu Eiskristallen gefroren, verweilt es als Cirren bis zu 2 Jahren in der Stratossphäre und reflektiert die Wärmestrahlen zum Erdboden zurück. Der Flugverkehr hat inzwischen - bei weiter steigender Tendenz - die Klimaschädlichkeit des PKW-Verkehrs erreicht.

Daher kann pro grün die Aufforderung unseres Landrats den Kauf von aus Übersee eingeflogenen Lebensmitteln einzuschränken, nur sehr begrüßen Allerdings sollten wir uns auch alle darüber im Klaren sein, dass der Transport von Fluggästen und ihrem Reisegepäck auch nicht unschädlich für's Klima ist. Und die Masse machts: Ein Urlauber mit Gepäck entspricht 200kg Lebensmittel, da der Urlauber ja auch zurück fliegt. Daher sollten wir den Rat des Landrats bedenken und uns zudem fragen, ob wir nicht unsere Urlaubsflüge einschränken können und zumindest etwa auf die in Mode gekommenen Kurzurlaube von sieben Tagen bei den Mittelmeeranrainern verzichten können.

Und als Letztes: Ist es nicht schizophren, wenn wir alles dies wissen und dennoch gleichzeitig in Kassel einen neuen Flughafen bauen, unseren Flughafen in Ahden ausbauen, ihn für lärmenden Nachtflugverkehr auch zum Lebensmitteltransport zulassen, die B 1 zwischen Paderborn und Salzkotten für 15 Mio. Euro als attraktiven Flughafenzubringer ausbauen und mit Thomas Cook die Eröffnung einer weiteren Fluglinie in den Süden jubelnd begrüßen?

Wie wollen wir mit diesen Maßnahmen und dieser Haltung die CO2-Einsparungsziele erreichen, die in diesen Tagen beim Klimagipfel in Kopenhagen diskutiert und versprochen werden? 

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