pro grün zur Diskussion um Windkraft und Stadtwerken

Im Mittelpunkt des letzten pro grün Monatstreffens

(Dez. 2016) stand die Berichterstattung über zunehmende Ablehnung des weiteren Ausbaus der Windenergie im Paderborner Land.

Leserbriefe pro und contra Windenergie versuchen seit geraumer Zeit die jeweils andere Seite zu überzeugen.

Die Teilnehmer des Treffens waren sich einig, dass sowohl Leserbriefe als auch Berichterstattung die Komplexität der Energiewende (weg von Kohle und Öl) ausblenden und sich lediglich auf einen relativ geringen Anteil, nämlich die Windenergie beschränken.

Die Energiewende kann nämlich nur gelingen, wenn ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor Ort angegangen wird. Die immer wieder genannte fehlende Speicherung und der zögerliche Netzausbau sind ebenfalls jeweils nur ein Baustein.

 

Unter anderem gehört dazu, die starken Wechsel von Angebot und Nachfrage von Strom auszugleichen. Dies kann auf zweierlei Weise geschehen: Zum einen können bestimmte Verbraucher wie Elektrowärmepumpen via Internet abgeschaltet werden, wenn im Netz gerade Lastspitzen auftreten und zum anderen können beispielsweise Blockheizkraftwerke bedarfsgerecht zugeschaltet werden, wenn teurer Strom auf dem Spotmarkt zugekauft werden müsste.

 

Pro grün bemängelt, dass die Bedeutung von Strom gegenüber Wärme in den Medien überbetont wird. Jeder weiß aus seinem Haushalt, dass der Wärmebedarf i.d.Regel ein Vielfaches gegenüber dem Strombedarf ausmacht.

Durch sog. Schwarmstrom, beispielsweise durch zentral gesteuerte Blockheizkraftwerke, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen, könnten Lastspitzen im Stromnetz abgefangen werden. Immer wenn großer Strombedarf besteht, werden via Internet kleine Mini-BHKWs gestartet. Die dabei anfallende Wärme kann in großen Wasserspeichern „zwischengelagert“ werden. Bundesweit könnten so 2 bis 3 Großkraftwerke ersetzt werden.

Noch wichtiger: Der günstigste Strom ist der, der gar nicht erst erzeugt werden muss. Das heißt erste Priorität muss Energiesparen haben. Wenn der Kreis PB – wie im Klimakonzept beschlossen - bis 2050 Wärme bezogen autark sein will, muss man langsam mal anfangen.

Bereits 2011 wurden in einer von pro grün initiierten Expertenrunde - anlässlich der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes des Kreises Paderborn - umfangreiche Vorschläge unterbreitet (siehe: http://progruen-paderborn.de/ dort unter klimaschutz), anstatt sich zu sehr auf Wind- und Solarenergie zu verlassen

Ein Beispiel: Über Bürgerbeteiligung könnte ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung zahlreicher Maßnahmen zur o.g. Energiewende bei gleichzeitiger Kundenbindung erreicht werden. Vergleichbar zum Attac-Motto „Krötenwanderung“ gilt auch hier: Das Geld dorthin geben, wo nachhaltig gearbeitet wird. Eine Bürgergenossenschaft wäre eine sichere und solidarische Möglichkeit, die lokale Energiewende zu unterstützen.

 

Ein weiterer Punkt des Monatstreffens, der ebenfalls seit einigen Wochen die Gemüter bewegt, ist die Behauptung der Stadtwerke, sie würden 100% Naturstrom liefern.

Pro grün Vorsitzender Dieter Dubisch vergleicht die „Grünwaschung“ mittels Zertifikaten mit einem Ablasshandel.

Solange die Stadtwerke nicht wirklich lokal erzeugten Ökostrom anbieten, empfiehlt pro grün beim Stromwechsel einen der Vier bundesweit anerkannten Ökostromanbieter zu wählen. Das sind Naturstrom, EWS-Schönau, Lichtblick und Greenpeace.
Pro grün empfiehlt allerdings potentiellen Wechslern, den Paderborner Stadtwerken anzubieten, bei ihnen Kunde zu werden, sobald sie einen konkreten Plan vorlegen, stufenweise in die Stromproduktion, ähnlich der Stadt Lemgo, einzutreten.

Sobald der Stromliefervertrag zwischen den Stadtwerken Paderborn und der Gelsenwasser AG (2018) ausläuft, muss entschieden werden, wie es weitergehen soll.

 

 

Dieter Dubisch

pro grün Vorsitzender

 

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