Weltwassertag 2019

 

Weltwassertag 2019

Pressemitteilung  von  pro grün zum Tag des Wassers

 

Die Dürre des vergangenen Sommers mit vielen Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius war keine Wetterkapriole sondern eine Fortsetzung der heißen Sommer in den Jahren 1996, 2003 und 2013. Wer es noch nicht gemerkt hat: Dies ist der Klimawandel - und erst der Anfang davon!

 

 

Augenfällig in Paderborn waren die trocken gefallenen Fischteiche, die Quelle am Restaurant schüttete über Wochen nicht mehr, ebenso weitere, insbesondere höher gelegene, Quellen und auch der Dubelohgraben führte kein Wasser mehr.  Die Aabachtalsperre, aus der ein Teil der Paderborner Südstadt sein Trinkwasser bezieht, wies einen Füllstand von unter 50% auf, wie auch die anderen Seen und Talsperren in NRW.

 

Seit Jahrzehnten haben wir in unserer Region ein Niederschlagsdefizit von etwa 15%, d.h. es fehlt alle sieben Jahre die Regenmenge eines ganzen Jahres; zudem kommt es dann, wenn es endlich regnet, häufig zu Starkniederschlägen, bei denen der Regen auf den verfestigten, trockenen Böden oberflächig abfließt und nicht der Grundwasserneubildung zugute kommt. Entsprechend sinken die Grundwasserstände an den meisten Messstellen in  unsere Region.

 

Fazit ist, dass unsere bisherige Wasserbewirtschaftung auf den Prüfstand gestellt werden muss: Können wir als Verbraucher,  können Wirtschaft und Industrie, insbesondere die Landwirtschaft, weiter so mit dem Wasser umgehen, wie wir es bisher gewohnt sind?

 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert in einem Positionspapier eine nachhaltige Bewirtschaftung des Grundwassers, der Bäche und der Flüsse. Durch den Temperaturanstieg über das ganze Jahr  kommt es zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode mit einem erhöhten Wasserverbrauch der Pflanzen. Dazu reduziert die deutlich gestiegene Versiegelung die Grundwasserneubildung. Negativ auswirken wird sich auch die Streichung des Fünf-Hektar-Ziels aus dem Landesentwicklungsplan NRW. Die tägliche Neuversiegelung der Fläche sollte nach der alten rot-grün Regierung unter fünf Hektar pro Tag bleiben  Mit dieser im Landeskabinett bereits beschlossenen "Entfesselung" der Bauwirtschaft wird die Bodenversiegelung im freien Landschaftsraum weiter ansteigen mit der entsprechenden weiteren Absenkung der Grundwasserstände.

 

Jetzt, so fordert der BUND, sind Maßnahmen zu ergreifen, um für die Zukunft bei fortschreitendem Klimawandel ausreichende Wasservorräte zum Erhalt der ökologischen Funktionsfähigkeit für Trink- und Brauchwasserversorgung sowie für die Landwirtschaft zu sichern.

 

Die in der AG Natur- und Umweltschutz zusammengefassten Natur- und Umweltschutzverbände Paderborns hatten in  einer umfangreichen Stellungnahme zum Erörterungstermin zur Verlängerung der Wasserrechte an dem Tiefen Grundwasser am Diebeweg unter der Senne gefordert, die Genehmigung sollte nicht über einen Zeitraum von 30 Jahren erteilt werden, sondern nur über 15 bis 20 Jahre, zudem nicht in einer von 11 Millionen Kubikmeter über den ganzen Zeitraum. Die Verbände hatten eine Splittung auf 7 Mio. m3 zur Bewilligung und weiteren 4 Mio. nur als Erlaubnis gefordert. Dazu wollten sie die 4 Mio. m3 unter den Vorbehalt stellen, dass diese Menge auch nach mehreren Trockenjahren noch auf Verantwortbarkeit geprüft werden sollte. Der Vertreter der Bezirksregierung entgegnete darauf, der vorausgesagte klimatische Wandel  werde in den nächsten 30 Jahren noch keine Bedeutung haben.

 

Das war vor 12 Jahren und die Bewilligung wurde - entgegen der Forderung der Verbände -  für die gesamte Menge von jährlich 11 Mio m3 für die vollen 30 Jahre erteilt. Jetzt wissen wir es wohl alle besser. Wir haben jetzt keine 18 Jahre mehr Zeit, wir müssen jetzt  beginnen, sorgsamer mit dem Wasser umzugehen. Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel.

 

Konkret müsste das bedeuten, dass Verwaltung und Politik anfängt sich darüber Gedanken zu machen, wie wir sparsamer mit unserem Wasser umgehen. Dazu einige Anregungen.

 

Bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen wie denen für die  Kasernenstandorten an der Elsener oder Driburger Straße könnte man sich Gedanken darüber machen, dass der Versiegelungsgrad der Fläche weiter eingeschränkt wird, dass mit Folien unterlegte Steingärten nicht gestattet sind oder dass das  Dachablaufwasser verstärkt versickert werden muss um es der Grundwasserneubildung zuzuführen. Bei den immer mehr in Mode gekommenen Flachdächern könnte man eine Dachbegrünung vorschreiben, die das Regenwasser vorreinigt um es dann problemlos versickern lassen zu können. Nachgedacht werden könnte auch über eine Grauwassernutzung zur Toilettenspülung, nicht im Bestand aber in Neubaugebieten.

 

Der Klimawandel ist da, wir müssen uns in unserer Lebensweise auf die Klimafolgen einstellen.

 

Fritz Buhr, pro grün

 

 

 

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