Offener Brief an Carsten Linnemann MdB

Sehr geehrter Herr Dr. Linnemann,

Sie haben vor nicht allzu langer Zeit im Bundestag für ein
Schiefergas-Frackingverbot in Deutschland gestimmt.

Das war gut so und wir haben als Umweltschutzverein Ihnen dafür gedankt.

Zusätzlich wurde in NRW Fracking per LEP verboten.

Gänzlich unverständlich ist es für uns aber, wenn Sie jetzt mit der
Koalition in Berlin am kommenden Freitag bei der 3. Lesung für den Haushalt
2019 dafür stimmen, dass Bundesmittel in mehrstelliger Millionenhöhe für
Bau und Infrastruktur von Flüssiggas-Terminals (LNG) an der deutschen
Nordseeküste für die kommenden Jahre zur Verfügung gestellt werden sollen.


Wir haben Ihnen in den vergangenen Wochen über eine wissenschaftliche
Mitarbeiterin von Ihnen zahlreiche Informationen und wissenschaftliche
Belege zukommen lassen, aus denen nachweisbar und nicht widerlegbar
hervorgeht, dass durch Fracking gewonnenes Erdgas, das zudem noch
energieaufwendig auf minus 162 Grad C herabgekühlt werden muss um es zu
verflüssigen - mit einem Energieverlust von 25% - im hohen Maße
klimaschädlich ist.

Wir haben auch darauf hingewiesen, dass der Wissenschaftliche Dienst des
Bundestages mit seinem Gutachten vom November des vergangenen Jahres mit
einer irreführenden Zahl den Einsatz von gefracktem Flüssiggas in
Deutschland begründet. Der vom Wissenschaftlichem Dienst genannte Faktor
von dreißigfacher Klimaschädlichkeit von Erdgas (Methan) gegenüber CO2 gilt
nur für den Zeitraum von 100 Jahren.

Für die ersten 20 Jahre - und auf die kommt es an, wenn wir noch
entscheidenden Einfluß auf die drohende Klimakatastrophe nehmen wollen! -
ist Methan in der Atmosphäre 87 mal klimaschädlicher als CO2, das bei der
Verbrennung entsteht. Dies ist die von der Wissenschaft weltweit anerkannte
Zahl des Weltklimarates der UNO (IPCC).

Auf der langen Wertschöpfungskette des durch Fracking in den USA
gewonnennen Erdgases, von der Förderung bis zum Verbraucher, gelangt so
viel Methan unverbrannt in die Atmosphäre, dass das in Deutschland
schließlich zur Energiegewinnung verbrannte Erdgas um ein mehrfaches
klimaschädlicher ist als beispielsweise Kohle.

Den hohen Umfang der Methan-Leckage haben selbst die 8 großen Erdöl- und
Erdgaskonzerne von Exxon, Shell, BP bis Wintershall im vergangenen Jahr in
einer Pressemitteilung zugegeben als sie erklärten, dass eine Reduzierung
der Methan-Leckage mit wirtschaflich vertretbaren Mitteln beim Fracking für
das Weltklima die gleiche Wirkung haben würde wie die Schließung aller
Kohlekraftwerke in China.

Heute geschaffene Infrastruktur hat oft eine anvisierte ökonomische
Lebenszeit von mindestens 30 - 40 Jahren. Die anstehenden
Investitionsentscheidungen sollen also exakt für die Zeiträume erfolgen, in
denen auf Grund des fortschreitenden Klimawandels eine radikale Abkehr von
fossilen Brenstoffen unumgänglich ist. Der Ausbau von Infrastrukturen für
den Import von Erdgas wie Pipelines oder LNG-Terminals muss deshalb
unbedingt verhindert werden. Damit werden sowohl das Entstehen von
Lock-In-Effekten bei der Nutzung fossiler Energieträger als auch
Fehl-Investitionen in verlorene Vermögenswerte vermieden. Das gilt es
besonders dann zu berücksichtigen, wenn zur Finanzierung öffentlicher
Mittel verwendet und darüber hinaus das hochgradig klima- und
umweltfeindliche US Frackinkggas importiert werden soll.

Wenn der Bundestag am Freitag der Beschlussvorlage zustimmt, dann entfernt
er sich noch weiter von den Klimazielen, zu deren Erreichung er sich bei
der Weltklimakonferenz in Paris verpflichtet hat.

Wollen wir so weiter in die Klimakatastrophe -sehenden Auges! -
hineinstolpern? Wie wollen Sie, wie wollen wir alle, dies unseren Kindern
und Enkeln gegenüber verantworten? Ist die Furcht vor den vom Klimaleugner
Trump angedrohte Erhöhung von Autosteuern so groß, dass sie uns die
Verantwortung für unsere Nachkommen vergessen lässt?

Sehr geehrter Herr Linnemann, sie fühlen sich als Vorsitzender der
Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union verständlicherweise der
Wirtschaft und insbesondere auch der Autoindustrie verpflichtet. Aber
sollte die Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Nachkommen auf der
Prioritätenliste nicht einen höheren Rang haben?

Mit freundlichen Grüßen aus Ihrem Wahlkreis Paderborn

Dieter Dubisch und Fritz Buhr für den Umweltschutzverein pro grün e. V.
Paderborn

 

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