Mehr Bäume in die Stadt und Trinkwasser sparen

"Wie können wir uns in Paderborn auf die zu erwartenden klimatischen Veränderungen vorereiten? Wie kann man Paderborn treibhausklima-tauglich machen?" fragte pro grün beim Grünen Salon im November und versucht dazu eine Antwort zu geben und schreibt einem Offenen Brief an die Technische Beigeordnete der Stadt Paderborn Claudia Warnecke.  

An die

Technische Beigeordnete

Frau Claudia Warnecke

per e-mail

 

O f f e n e r   B r i ef

Sehr geehrte Frau Warnecke,

Wie können wir uns in Paderborn auf die zu erwartenden klimatischen Veränderungen vorbereiten?

Wie kann man Paderborn treibhausklima-tauglich machen?“

 

Diese Fragen stellten wir uns am pro grün Tisch im Grünen Salon im Haxtergrund im vergangenen Monat.

 

Dabei waren sich die Teilnehmer am Tisch natürlich einig,  dass wir alle uns bemühen müssen, unser Scherflein zur Reduktion von Treibhausgasen beizutragen; gleichzeitig müssen wir uns jedoch auch vorbereiten auf die unausweichlich auf uns zukommenden klimatischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte. Selbst wenn Paris zu einem großen Erfolg würde, steigen die Temperaturen zunächst und wir werden auch mit weiteren neuen Wetterphänomenen zu rechnen haben. Darauf gilt es sich auch vor Ort vorzubereiten.

 

Dazu haben wir an unserem pro grün Tisch zwei Vorschläge erarbeitet.

 

Wir bitten die Verwaltung sie auf ihre Umsetzbarkeit zu untersuchen:

 

  1. Erstellung eines Freiflächen-Katasters das ausweist, wo man im besiedelten Stadtbereich –  möglichst groß-kronige -  Bäume anpflanzen kann
  2. Einführung einer dezentrale Regenwassernutzung in Neubaugebieten als Brauchwasser

 

 

Begründung für ein Freiflächenkataster für Baumpflanzungen:

 

Da die Zahl der „Hundstage“ mit Temperaturen über 30 Grad in den kommenden Jahrzehnten erheblich steigen wird, müssen wir uns in den Sommermonaten auf klimatische Verhältnisse vorbereiten, wie sie z. Zt. etwa in Südfrankreich herrschen.

 

Um auch in Zukunft ein erträgliches Stadtklima zu behalten, müssten wir groß-kronige, alte Bäume im Stadtgebiet erhalten, auch wenn damit ein nicht unerheblicher Pflege- und Kostenaufwand verbunden ist. Und zusätzlich müssen auch neue,  große Bäume dort angepflanzt werden, wo Menschen sich aufhalten.  Dies muss jetzt geschehen, damit unsere Kinder und Enkel in 50 Jahren in unserer Stadt noch gut und gesund leben können.

 

Das Finden geeigneter Standorte, unter Beteiligung der Bürger, wird auf erhebliche Widerstände stoßen und die Vorbereitung einer großen Pflanzgrube  nach Entsiegelung des Bodens wird Probleme bereiten und Kosten verursachen. Bei ausreichender Vorstellungskraft können wir uns jedoch vorstellen, dass dies Projekt sehr sinnvoll ist. Dadurch können wir die Lebensbedingungen unserer Kinder und Enkel in den kommenden Jahrzehnten verbessern helfen und den Aufenthalt in unserer Stadt angenehm und gesund gestalten.

 

Bei der Auswahl der Bäume müssten solche gewählt werden, die unter den zu erwartenden veränderten klimatischen Bedingungen gut gedeihen können und eine große Krone bilden; Zierbäume, aus ästhetischen Gründen angepflanzt, wie man sie jetzt auch im öffentlichen Bereich findet („Architektengemüse“), haben auf das Stadtklima keinen Einfluss. Sie spenden werder Schatten noch Kühle und tragen auch nicht zur Verbesserung der Luftqualität bei.

 

Begründung für eine dezentrale Regenwassernutzung als Brauchwasser in großen Neubaugebieten:

 

Die uns bevorstehenden klimatischen Veränderungen werden sich nicht nur in Temperaturerhöhungen zeigen sondern auch in veränderten Niederschlagsereignissen: Starkregen, Trockenperioden, Regen statt Schnee in der kalten Jahreszeit usw. Nach Untersuchungen kanadischer und US-Wissenschaftler wird es weltweit zu verminderten Niederschlägen und einer entsprechend geringeren Grundwasserneubildung kommen, auch in Deutschland, das z. Zt. noch eine positive Bilanz (Erneuerung durch Niederschläge höher als der Verbrauch) an trinkbarem Grundwasser hat. (www.gegen-gasbohren.de)  Daher sollten wir mit der sich – regional unterschiedlich - zukünftig verknappenden Ressource Wasser in Trinkwasserqualität sparsamer umgehen.

 

Dies gilt insbesondere für unser in Teilen noch fossiles tiefes Grundwasser im Karst mit seiner besonders guten Qualität. Es liefert uns  den größten Anteil unseres Trinkwassers, ist aber bei Übernutzung in Folge zurückgehender Grundwasserneubildung von der Salzfront aus dem Westen bedroht.

 

Es wäre daher sinnvoll - wenn nicht geradezu notwendig - auch bei uns in Paderborn nach Möglichkeiten der Trinkwassereinsparung zu suchen. Das ist bei einem vorhandenen Trinkwasserrohrsystem, das auf eine Mindestmenge zum Durchfluss ausgelegt ist, nur begrenzt möglich. Bei dem jetzigen Durchschnittsverbrauch von etwa 130 l/d kann zwar noch  weiter gespart werden, da aber das Wasser bei geringerem Verbrauch zu lange Standzeiten hätte und von Verkeimung bedroht wäre, gibt es eine Grenze (unter 100l/d), die lokal unterschiedlich ist und von der Anzahl Verbraucher und den Leitungsquerschnitten abhängt. Spart man zu sehr, müsste evtl. Chemie (Desinfektion) eingesetzt werden und zudem gäbe es Probleme beim Abwasser.

 

Beides ließe sich vermeiden durch den Bau kleiner dimensionierter Trinkwasserleitungen und der Nutzung von Regenwasser (Dachablaufwasser) als Brauchwasser (Toilettenspülung) bei Bau entsprechender Speicherkapazitäten. Eine Chance zur Umsetzung eines solchen Konzeptes könnten Neubaugebiete bieten, die noch in der Planung sind  wie z.B. Springbachhöfe oder Konversionsflächen wie Barker Barracks.

 

Für Nahrungszwecke brauchen wir täglich nur wenige Liter, die restlichen über hundert Liter hauptsächlich für Toilettenspülung, Wäschewaschen und Körperhygiene. Wir werden uns in Zukunft den Luxus eines „Trinkwasserklos“, wie Greenpeace dies in einer Wanderausstellung einmal genannt hat, nicht mehr leisten können. Es scheint widersinnig – und in Zukunft wird dies vielleicht eingeschränkt werden müssen -  Wasser von bester Trinkwasserqualität als Transportmittel zum Wegspülen von Fäkalien zu nutzen. 

 

Aufgabe der Verwaltung wäre es daher u.a. zu untersuchen, welche Möglichkeiten der Trinkwassereinsparung es nach den örtlichen Gegebenheiten bei den anstehenden großen Neubaugebieten geben könnte: Regenwasser („Dachablaufwasser“), Grundwasser oder Grauwasser (etwa Duschwasser zur Toilettenspülung).

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dieter Dubisch, 1. Vors. pro grün

 

Fritz Buhr, „Gastgeber“ am Tisch „Paderborn klima-tauglich machen“

 

 

 

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