Fracking in der Senne? - Das geht gar nicht!

In Verbindung mit dem Tag der Parke am 22.6.14 in Bad Lippspringe hat die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL eine Pressemitteilung zum Thema Fracking herausgegeben. In dieser Erklärung weisen die Verbände darauf hin, dass Fracking nicht allein mit  einer unverantwortlichen Gefährdung für unserTrinkwassers verbunden ist sondern zugleich auch in besonderem Maße raumbedeutsam ist, da es die Industrialisierung ganzer Landstriche nach sich zieht.

     Die Senne ist das größte und wertvollste Trinkwasserreservoir in ganz Ostwestfalen-Lippe

"Fracking in der Senne? - Das geht gar nicht!"

                                                                                                                                         
"Wie und warum kann die Landesregierung," fragt Karsten Otte, Sprecher Bezirkskonferenz Naturschutz OWL, " die Fläche des Truppenübungsplatzes Senne mit über 11.000 ha nicht als ein Gebiet ausweisen, in  dem Fracking absolut verboten ist? Die Senne ist auf Grund ihrer Artenvielfalt nicht nur der wertvollste Landschaftsteil in NRW; sie verfügt auch oberflächennah wie auch im tiefen Karst über das größte und wertvollste Trinkwasserreservoir in ganz OWL. Allein die beiden Großstädte  Bielefeld und Paderborn schöpfen daraus mit jährlich bis zu 20 Millionen Kubikmeter den Hauptteil ihres Trinkwassers, das sie ohne Aufbereitung sofort ins Netz geben können."

"Es wirkt wie ein Witz", so Fritz Buhr von der Arbeitsgemeinschaft der Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände, "wenn Wirtschaftsminister Gabriel jetzt noch vor der Sommerpause eine Gesetzesnovelle einbringen will, die lediglich Wasserschutzgebiete zu Ausschlussgebieten für Fracking erklären will. Unser Trinkwasser befindet sich nicht allein unter der Oberfläche der Wasserschutzgebiete der Städte Bielefeld und Paderborn sondern unter der gesamten Senne. Der Trinkwasserkörper reicht von den Hängen des Teutoburger Waldes bis in unbekannte Tiefen des Karstgesteins, einem hydrogeologischen „Schweizer Käse“ mit unbekannten Tiefenverbindungen. Kein Mensch weiß, welche Wege das Wasser in der Tiefe nimmt.“

Das Beispiel der Senne macht exemplarisch deutlich, wie leichtfertig die Politik handelt, wenn sie nur Wasserschutzgebiete zu Fracking-Verbotszonen erklären will. Fracking muss wegen des Einsatzes von umwelttoxischen Substanzen überall verboten werden. Auch in den Einzugsbereichen von Flüssen, Seen und Talsperren  wird nach Aufbereitung Trinkwasser für viele Millionen Menschen gefördert.
Nicht nur diese Gebiete sind wegen der Grund- und Trinkwassergefährdung zu Tabuzonen für Fracking zu erklären, sondern auch alle Bereiche mit Raumkonflikten. Fracking ist Flächenfraß, denn es ist immer verbunden mit der Industrialisierung ganzer Landstriche, allein schon durch die dazu erforderliche Verkehrsinfrastruktur für Schwerlastverkehr. Hinzu kommt das betriebsbedingte immer wieder auftretende Entweichen von Methan in die Atmosphäre und das Abfackeln des Gases, das immer mit schädlichen Immissionen verbunden ist.  Daher muss Fracking nicht nur in der Nähe von Siedlungsgebieten unterbleiben, sondern auch  in Natur- und Landschaftsschutzgebieten, in FFH- und Vogelschutzgebieten, in Gebieten mit wertvollen Ackerböden, Wäldern, Naturparks, Flächen in der Nähe von Kur- und Thermalbädern, in  Touristikregionen  ... und dann bleibt nicht mehr viel übrig von der Republik.  Daher ist nur ein allgemeines Frackingverbot sinnvoll und praktikabel. Dies gilt auch unabhängig davon, ob umwelttoxische Chemikalien eingesetzt werden oder nicht.

Würde die Landesregierung nach den vollmundigen Ankündigungen der Ministerpräsidentin Ernst machen und pflichtgemäß den gewaltigen Fracking-Raumbedarf im Landesentwicklungsplan anerkennen und alle diese Ausschlussgebiete benennen, würde sehr schnell deutlich werden, dass es in der dichtbesiedelten Bundesrepublik keine Flächen gibt, in denen konfliktfrei Erdgas nach der Fracking-Methode gefördert werden kann – unabhängig von Aspekten des Boden- und Gewässerschutzes. „Die sich zwangsläufig ergebende Folgerung muss daher sein“, fordert Dr. Manfred Dümmer, Sprecher des BUND Landesarbeitskreises Wasser:
„ Fracking ist in Deutschland nicht machbar! Aus dem derzeitigen Moratorium in NRW muss ein bundesweites Verbot werden!“
Bundeswirtschaftminister Gabriel zeigt sich jedoch von den genannten Argumenten nicht beeindruckt und lässt von der seinem Ministerium unterstellten Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine Novellierung des Bergrechts vorbereiten, die Fracking sogar mit umwelttoxischen Substanzen ermöglichen soll. Der Präsident der Bundesanstalt Prof. Hans-Joachim Kümpel hat keinerlei Bedenken, Fracking in Deutschland als völlig ungefährlich zu bezeichnen und findet dabei sicherlich volle Zustimmung bei den Mitgliedern des Kuratoriums der BGR. Darin befinden sich mit RAG, RWE, Wintershall und ExxonMobil Europa das Who-is-Who der Energiewirtschaft in Deutschland, also all die „Böcke, die zum Gärtner gemacht werden sollen“.  

Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz in Ostwestfalen-Lippe
Dr. Manfred Dümmer, Sprecher des Landesarbeitskreises Wasser, BUND NRW
Fritz Buhr, Sprecher der AG der Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände


 

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