Paderborner Verbände jetzt gegen Fracking in ganz OWL, mit Karte OWL

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Die Arbeitsgemeinschaft der Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände hat in ihrer Vorstandssitzung am Mittwochabend beschlossen ihre Unterschriftensammlung gegen Fracking (www.stop-fracking-owl.de) über den Kreis Paderborn hinaus auf ganz Ostwestfalen auszudehnen und sie bis auf die Zeit nach der Bundestagswahl im September fortzusetzen, da erst dann im neuen Bundestag über eine Novellierung des Bundesberggesetzes (BBergG) entschieden wird.

 Eine Karte auf der Rückseite der Unterschriftenliste (www.progruen-paderborn.de) veranschaulicht, dass mit den Aufsuchungsfeldern Falke, Adler und Falke South Fracking-Rechte nicht nur über das gesamte Gebiet des Kreises Paderborn  vergeben worden sind. Das Landesbergamt in Arnsberg hat Aufsuchungsrechte zur Förderung von Schiefergas mittels der Fracking-Methode auch flächendeckend über ganz  Ostwestfalen erteilt. Rechtsinhaber über die Felder Nordrhein-Westfalen Nord, HERFORD und MINDEN mit annähernd 10.000 Quadratkilometern ist eine Tochtergesellschaft der internationalen Konzerne Esso und Shell (Mobil Erdgas-Erdöl GmbH).

„Gerade unsere Ferien- und Gesundheitsregion mit den vielen Thermal- und Heilbädern und den wertvollen Mineralbrunnen am Haarstrang und den Hängen des Teutoburger Waldes darf nicht den unkalkulierbaren Risiken einer Vergiftung unserer Grund-, Trink- und Mineralwässer durch Fracking ausgesetzt werden, ganz zu schweigen von der drohenden Verwüstung unserer Landschaft!“ fordert Brigitta Brockmann, Vorsitzende des Bund für Tier- und Naturschutz in OWL.

„Wir wollen versuchen,“ so Fritz Buhr, Sprecher der Initiative, „strategische Partner für unsere Unterschriftenaktion zu finden bei den zahlreichen Heilbädern der Gesundheitsregion OWL (z.B. Bad Lippspringe, Bad Meinberg, Bad Oynhausen, Bad Driburg usw.). Sie sind genauso wie die Betreiber der hochwertigen Mineralbrunnen in OWL unsere natürlichen Verbündeten und müssten unsere Aktion alle unterstützen. Bäder wie Mineralbrunnen sind geradezu existenziell abhängig von einer intakten Landschaft und von sauberem Wasser.

Die Gefahren, die der Region durch Fracking drohen, sind vielfältig. Dabei ist es nicht nur die oberirdische Verwüstung der Landschaft mit der Zerstörung des Landschaftsbildes und der ungeklärten Entsorgung von Millionen von Litern von Lagerstättenwasser, des flow-back, das immer noch oberflächennah verpresst wird, obwohl es hoch kontaminiert ist. Es sind auch die Gebäudeschäden durch ausgelöste Erdbeben, wie jüngst in Niedersachsen. Eine besondere Gefahr liegt auch in Rohrundichtigkeiten, die immer wieder auftreten und durch die dann der giftige Chemiecocktail des Fracking-Wassers in Grund- und Trinkwasserhorizonte eintreten kann.

„Selbst wenn Fracking ohne giftige Chemie möglich wäre, müsste es verboten sein!“ fordern die Paderborner Verbände im Einklang mit der BUND-Expertin Claudia Baitinger, der Sprecherin des Landesarbeitskreises Fracking und Dr. Manfred Dümmer, Geologe und Sprecher des BUND –Arbeitskreises Wasser. Wenn mit über 1.000 bar Druck das gashaltige Schiefergestein in der Tiefe aufgesprengt wird, werden Wasserwegsamkeiten geschaffen, die keiner voraussehen kann und die auch keiner haben will. Plötzlich könnte Salzwasser aus der Münsterländer Bucht oder aus dem Westen in das Süßwasser unter der Senne eindringen, aus dem die Großstädte Bielefeld und Paderborn jährlich über 20 Millionen Kubikmeter Trinkwasser fördern.

Wir wollen überhaupt kein Fracking, auch kein Fracking-soft oder Fracking-light, nur um den kurzen Zeitraum von etwa 13 Jahren heimisches Erdgas fördern zu können. Eine solche eindeutige Ablehnung des Fracking vermissen die Verbände allerdings bei allen im Bundestag vertretenen Parteien, mit Ausnahme der Linken. Daher gilt es, mit möglichst vielen Unterschriften für den neuen Bundestag im außerparlamentarischen Raum Druck auf zu bauen. „Wie sollen wir Vertrauen auf die Politik haben“, sagt Karsten Otte, als Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz im Regierungsbezirk Detmold, wenn wir sehen, dass die Gesetzesvorlagen, die Fracking ermöglichen sollen, aus der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)  im FDP-geführten Wirtschaftsministerium kommen und das Kuratorium des BGR sich liest, wie ein Who is Who der Energiewirtschaft?“ So sind in dem Kuratorium vertreten Vorstandmitglieder der RAG Herne, Wintershall, RWE und mit Gernot Kalkoffen der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil Europe, beteiligt an den größten Aufsuchungsfeldlern zur unkonventionellen Gasförderung in NRW. Unabhängigkeit einer Bundesanstalt sieht anders aus.

Erfreulich für die Träger der Paderborner Initiative ist, dass mit dem NABU NRW sich der mitgliederstärkste deutsche Naturschutzverband  der Unterschriftenaktion der Paderborner anschließen will. „Fracking“, darin sind sich alle Verbände einig, „ist ein Irrweg, der unsere Energieprobleme nicht lösen kann und auch keinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten vermag. Er sollte nicht beschritten werden.“

Fritz Buhr als Sprecher

Arbeitsgemeinschaft der Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände:

Kreisgruppen von BUND und NABU, Naturwissenschaftlicher Verein Paderborn,Gemeinschaft für Naturschutz Senne-Ostwestfalen GNS, Umweltschutzverein pro grün Paderborn, Gemeinschaft für Naturschutz (GfN) im Altkreis Büren Bad Wünnenberg, Bund für Tier- und Naturschutz in Ostwestfalen

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