Pressemitteilung: Die Briten verlassen die Senne

Pressemitteilung von pro grün zum Abzug der Briten aus der Senne

Bürgermeister Heinz Paus erklärt in öffentlicher Ratssitzung am Dienstag, dass die Briten am Vormittag in Herford bekannt gegeben hätten, den Truppenübungsplatz Senne nach 2018 nicht mehr nutzen zu wollen. Als britische Standorte würden sie sich zwischen einem Platz in  Süddeutschland und Bergen Hohne noch entscheiden.  Und weiter erklärte der Bürgermeister, dass die Bundeswehr prüfe, ob sie den Platz nicht über Stapel hinaus benötigen würde. Eine Entscheidung darüber würde der Verteidigungsminister  Mitte nächsten Jahres bekannt geben


Diese für viele Menschen der Region überraschende Bekanntmachung der Briten ist für die Senne eine Jahrhundertentscheidung. Eine über 120 Jahre lange militärische Nutzung der Senne geht zu Ende. Dass die Bundeswehr größere Teile des Truppenübungsplatzes in Zukunft würde nutzen wollen, ist in Anbetracht ihrer vorzunehmenden Strukturreform mit den beabsichtigten Einsparungsmaßnahmen nicht gerade wahrscheinlich. Und dass andere Nato-Kontingente gelegentlich zum Über in die Senne kommen könnten mag bei manchen Militärfreunden der Region Wunschdenken gewesen sein, dürfte jedoch auch sehr realitätsfern sein.

Es stellt sich nun – früher als von vielen erwartet – die Frage nach einer Folgenutzung der Senne. Die ostwestfälischen Naturschutzverbände  sehen jetzt plötzlich die Erfüllung eines lang gehegten Wunschtraumes in eine erreichbare Nähe gerückt: Die Senne wird Nationalpark!

Jetzt ist die Politik gefordert, wie sie sich denn die Zukunft der Senne vorstellt. Sie ist bereits seit der Jahrhundertwende als FFH- und EU Vogelschutzgebiet nach Brüssel gemeldet und anerkannt worden und war bisher als Truppenübungsplatz durch eine Gebietsspezifische Vereinbarung zwischen Bund und Land mit Zustimmung der Briten in einem gewissen Umfang geschützt. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung entfällt dieser Schutz und es ist zwingend erforderlich, dass das EU-Recht in nationales Recht überführt wird. Das verlangt Brüssel! Jetzt muss die Verwaltung in den drei Kreisen und bei der Bezirksregierung sagen, wie sie sich diesen Schutz denn nun vorstellen will. Die können jetzt nicht mehr kneifen! Und dann muss die Politik entscheiden.

Ein Naturpark ist keine ausreichende Schutzkategorie. Für ein Biosphärenreservat mit einer geforderten Mindestgröße von 30.000 Hektar ist der Truppenübungsplatz mit 11.600 Hektar zu klein und die Landwirtschaft ist nicht bereit wegen der zu erwartenden Nutzungseinbußen die notwendigen Flächen zur Verfügung zu stellen. Es verbleibt als eine angemessene Schutzkategorie nur eine Ausweisung als Naturschutzgebiet oder als Nationalpark nach deutschem Naturschutzrecht. Ein Naturschutzgebiet mit dem Verschlechterungsverbot dem ein FFH-Gebiet unterliegt würde nur sehr begrenzte wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten bieten und zudem sehr teuer im Unterhalt werden durch Schutz- und Pflegemaßnahmen, an denen die Kreise zu beteiligen wären.

Es verbleibt eigentlich nur eine Ausweisung als Nationalpark, wenn man es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sieht: Die Kosten dafür würden vom Land übernommen und mit einer klugen Marketingstrategie, die unsere ganze Region mit einschließen müsste, könnte man einen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen.

Es hilft jetzt nicht, wie es manche tun werden, der verloren gegangenen militärischen Nutzung nachzutrauern; wir müssen in die Zukunft blicken und gemeinsam vorurteilsfrei überlegen, was für unsere Region wohl das Beste ist  -und dabei vielleicht auch ein wenig an die bedrohte Natur denken.

Fritz Buhr
 

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